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Auch im Jahre 2015 hält sich dieser Mythos hartnäckig. Jeder Netzwerker kennt die weit verbreitete Aussage: Der Netzwerkdurchsatz ist schlecht, wir brauchen mehr Bandbreite!
In einer kürzlich durchgeführten  Performanceanalyse bei einem Kunden, durfte einer unserer Consultants wieder als Mythbuster auftreten, um die Mythen des IT-Alltags zu entzaubern.
In diesem konkreten Fall gab es Beschwerden bei einer NAS-Synchronisierung über eine WAN-Strecke (300 Mbps Bandbreite und eine RTT um die 11 ms).

Die IO-Graphen in Wireshark sind ein effektives Hilfsmittel bei der Performanceanalyse. In der IO-Durchsatzgrafik ist erkennbar, dass für eine Session der maximale Durchsatz in Empfangsrichtung ca. 70 Mbps und für die Senderichtung ca. 12 Mbps beträgt.



Mittels der IO-Window-Size-Grafik ist schnell der Grund für den Performanceengpass ersichtlich: Die Receive-Window-Size, also die maximale Menge an Puffer, die das NAS für eine Session/Socket/Verbindung zur Verfügung stellt, ist hier der Performancebremser.
Bei einer Window-Size von ca. 17kB beträgt der hier maximal erreichte Durchsatz in Senderichtung ca. 12 Mbps. Um das zu verifizieren, kann einfach mit dem Bandwidth-Delay-Produkt (BWDP) die max. mögliche Bandbreite berechnet werden:

Window-Size / RTT = 17kB / 11 ms<= 12,4 Mbps.


Fazit dieser Dienstleistung ist:

  • Die Performancebremse ist die Receive-Window-Size von 17 kByte des NAS und nicht die verfügbare Bandbreite von 300 Mbps
  • Eine Erhöhung der Bandbreite würde in diesem Fall nicht zu einem höheren Durchsatz führen. Eine (im Vergleich zum LAN) hohe Laufzeit, eine hohe Bandbreite, kombiniert mit einer kleinen Window-Size passen einfach nicht zusammen
  • Lediglich die Erhöhung der Window-Size würde den Durchsatz erhöhen
  • Neben der Bandbreite gibt es zwei wichtige Faktoren, die den maximal möglichen Durchsatz beeinflussen:
    • Laufzeit
    • Receive-Window-Size
  • Sind diese beiden Faktoren bekannt, kann mit dem BWDP – ohne viel Aufwand – der maximal mögliche Durchsatz einer Session berechnet werden




Mit diesen beiden Ergebnissen würde man bei den Mythbusters den Mythos als „busted“ deklarieren oder in unserer Sprache: Es ist weiterhin NICHT das Netzwerk!